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Im Jahre 1895 kaufte der Urgroßvater des heutigen Besitzers dieses Haus. Es wurde als Gasthof mit Fleischerei und Landwirtschaft bis 1961 betrieben. Im Jahre 1945 kurz vor Kriegsende verhinderte der damalige Wirt und Fleischer, Hermann Krauß, durch die Bestechung der letzten "Verteidiger" mit einem Wurstpaket den Beschuss und die Zerstörung des Dorfes durch die amerikanischen Truppen. 1961 wurde der Gasthof durch den SED-Staat enteignet. Nach der 'Wende' wurde Rückführungsanspruch gestellt und 1995 mit umfangreichen Sanierungs- und Ausbaumaßnahmen begonnen. Seit der Wiedereröffnung im Dezember 1996 gilt unser Bemühen der Pflege einer guten Küche und aufmerksamen Bedienung ebenso wie dem Schaffen einer gemütlichen Atmosphäre. Für jede Gelegenheit verfügen wir über geeignete Räumlichkeiten im ländlichen Stil: im vorderen Gastraum über 20, im hinteren, vornehmlich für Hochzeiten gedacht, über 50 Plätze. Zwei weitere Räume mit 24 bzw. 15 Plätzen können gut für kleinere Tagungen oder Familienfeiern genutzt werden. Egal ob Familien- oder Betriebsfeier - in unserem Saal mit Bühne, der über 146 Sitzplätze und eine kleine Bar hat, kein Problem! Unser Biergarten lädt Sie bei schönem Wetter zum Verweilen ein...
pressestimmen.
Täglich Thüringer Klöße, Serie: urige Wirtshäuser, gemütliche Gaststätten
Ja, sind wir denn hier in Thüringen? Wir sind. Und zwar im südöstlichsten Zipfel des Freistaats. Das Dorf Dobareuth, in dem sich unsere heutige Wirtshausgeschichte abspielt, ist nur einen Kilometer von dem Städtchen Gefell entfernt, einst einer preußischen Enklave mitten im reußischen Gebiet. Und nur wenige Kilometer sind es von Dobareuth nach Mödlareuth, das als "Little Berlin" traurigen Ruhm erlangte und heute mit dem "Deutsch-deutschen Freiluftmuseum" am Originalschauplatz an das erinnert, was seit zehn Jahren, gottlob, Vergangenheit ist: die brutale Grenze mit Minen und Selbstschußanlagen mitten durch Deutschland.
Karl Krauß, Chef des gleichnamigen Landgasthofes in Dobareuth, das heute zum Saale - Orla - Kreis gehört, hat selbst erlebt, was es zu DDR -Zeiten bedeutete, in der Fünf-Kilometer-Sperrzone zu leben. Im Jahr des Mauerbaus, am 3. Oktober 1961 frühmorgens um halb fünf, pochte es heftig an die Tür; das Anwesen, das der Urgroßvater 1894 gekauft hatte und das als Gasthof mit Fleischerei und Landwirtschaft genutzt wurde, war umstellt. "Aufstehen Leute, alle Mann raus, ihr werdet zwangsumgesiedelt", hieß es ohne Pardon. "Zu ihrem eigenen Schutz", lautete die zynische Begründung. Doch Karl Krauß, der damals 16 war, dachte sich wie seine gesamte Familie seinen Teil: der wahre Grund hieß Einschüchterung und Verunsicherung. Damit keiner, der im Grenzbereich wohnte, "auf dumme Gedanken kam", wurden aus jedem Ort im Grenzbereich vor allem solche Familien ausgesiedelt, die einen guten Leumund hatten und denen es wirtschaftlich gut ging. Mehrere Gastwirtsfamilien waren darunter. "Das hat mich damals sehr getroffen", erinnert sich der Dobareuther Gastwirt. "Freilich hat die Zeit Wunden geheilt, und es ging uns auch danach nicht schlecht. Aber wir haben auch hart dafür gearbeitet." Die Eltern pachteten in Zeulenroda eine Landwirtschaft, Karl erlernte den Beruf des Fleischers, des Kochs und des Gaststättenfachmanns in Hirschberg, Gera und Leipzig; danach war er 20 Jahre lang Küchenmeister im Kulturhaus von Zeulenroda gewesen.
Die Zeit ging dahin, die Wende ließ sich Zeit. 34 lange Jahre zogen ins Land, bis Karl Krauß die Schlüssel für sein einstiges Elternhaus wieder in Händen hielt - ein bewegender Moment zum einen, ein seltsames Gefühl zum anderen, ging es doch jetzt darum, Mut zum Risiko zu haben und sich eine selbstständige Existenz aufzubauen - Neuland für die meisten ehemaligen DDR-Bürger.
Doch er tat es, auch für seine Kinder wie für den 28jährigen Sohn Steffen, der gastronomische Erfahrung in bayerischen und hessischen Häusern gesammelt hat. Zu dem Kohlschen Versprechen von den "blühenden Landschaften" hat Karl Krauß übrigens seine eigene Meinung: "Wer Blumen will, der muß sie auch gießen!" Im übertragenen Sinn: "Jeder in den neuen Ländern muß seinen Teil zum Wohlergehen des Staates beitragen." Thüringer Klöße" - dieses Schild mag so manchen vorbeifahrenden Gast in den Landgasthof in Dobareuth locken, wo sich Steffen Krauß nett und mit Umsicht um den Service kümmert und Mutter Margit fleißig in der Küche werkelt. Frische Blumen stehen auf den Tischen, man sitzt gemütlich auf gepolsterten Eckbänken. Wer die Speisekarte anschaut, muß sich Zeit nehmen: fast zu viel wird angeboten, sogar Känguruhbraten. Wen es eher nach bodenständiger Hausmannskost gelüstet, wird jedoch nicht enttäuscht. Da gibt es Schwammespalken, die süßsaure Pilzsuppe, da gibt es Sauerbraten, Wellfleisch mit Meerrettichsoße, Rinderrouladen und Thüringer Rostbrätel. Zum Kassler wird eine Rotweinsoße serviert, ebenso zur Pökelzunge: "Der Geschmack von Rotwein paßt gut zu Gepökeltem", meint Karl Krauß. Er arbeitet übrigens überwiegend mit frischen Produkten, verzichtet so gut es geht auf vorgefertigte Zutaten.
Quelle: Frankenpost vom 9./10.10.1999, Autor: F. Hanel.